Polizeinotruf in dringenden Fällen: 110

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Schutz vor häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt Kind
Schutz vor häuslicher Gewalt
Opfer häuslicher Gewalt brauchen Hilfe. In akuten Gefahrensituationen leistet die Polizei diese Hilfe unmittelbar, nachdem sie informiert wird. Sie verhindert so zunächst, dass die häusliche Situation weiter eskaliert.
LKA NRW

Die Polizei ist verpflichtet, auf einen Notruf an 110 sofort zu kommen. Erhält sie Kenntnis von einem Fall häuslicher Gewalt -zum Beispiel durch eine Anzeige des Opfers oder von Nachbarn-, muss sie ein Ermittlungsverfahren einleiten, wenn der Verdacht einer Straftat (Körperverletzung, Nötigung, Vergewaltigung oder Freiheitsentziehung) besteht.

Zur Abwehr von Gefahren kann die Polizei eine Reihe von Maßnahmen treffen
Nach einer Gewaltanwendung kann die Polizei den Gewalttäter der Wohnung verweisen und ein Rückkehrverbot für zehn Tage aussprechen, wenn die Gefahr weiterer Gewalthandlungen besteht. Dem Opfer wird eine Dokumentation des Einsatzes ausgehändigt. Diese ist wichtig, falls beim Familiengericht weiteren Schutz beantragt werden soll. Das ist in der Regel erforderlich, um den Gewaltkreislauf zu durchbrechen.

Die Polizei wird die Einhaltung des Rückkehrverbots während der Zehn-Tage-Frist unangemeldet überprüfen. Ein Verstoß kann mit Ordnungsgeld oder mit Ordnungshaft verfolgt werden. Sollte der Täter versuchen, während des Rückkehrverbots in die Wohnung zu kommen, sollte die Polizei auf jeden Fall informiert werden.
Die Zehn-Tage-Frist der polizeilichen Wohnungsverweisung gibt den Opfern die Möglichkeit, in Ruhe Beratung in Anspruch zu nehmen und bei einer Hilfeeinrichtung vor Ort Unterstützung zu holen. Mit Einverständnis des Opfers vermitteln die eingesetzten Kolleginnen und Kollegen vor Ort einen Kontakt in der Nähe. 

Neben der Polizei, die in akuten Gewaltsituationen über den Notruf 110 jederzeit zu erreichen ist, finden Opfer Rat und Hilfe bei diesen weiteren Ansprechpartner vor Ort:

Ein zusätzliches Angebot für Frauen als Opfer von Gewalt ist das bundesweite Hilfetelefon. Unter der Rufnummer 08000 116 016 können Sie sich an 365 Tagen zu jeder Uhrzeit anonym, kostenlos und sicher beraten lassen. Mit Hilfe von Dolmetscherinnen ist eine Beratung in derzeit 15 Sprachen möglich. Anrufe werden streng vertraulich behandelt. Nach einer Erstberatung werden die von Gewalt betroffenen Frauen an eine Unterstützungseinrichtung vor Ort weitervermittelt.

Weitere Informationen zum Thema Gewalt gegen Frauen und Häusliche Gewalt finden Sie auch unter www.frauennrw.de ebenso einen „Beratungsstellenfinder“.

Wie können sich Opfer über die Zehn-Tage-Frist hinaus schützen?

Opfer können sich an das Familiengericht wenden und eine Schutzanordnung bzw. die Überlassung einer gemeinsamen Wohnung beantragen (§1 und 2 Gewaltschutzgesetz). Das Opfer kann dort alleine oder zusammen mit einer Anwältin/ einem Anwalt vorstellig werden. Die polizeiliche Einsatzdokumentation dient zur Begründung des Antrags bei dem Familiengericht. Die/ der Familienrichter/in kann bestimmen, dass sich der Täter an Schutzanordnungen halten muss, zum Beispiel:

  • die gemeinsame Wohnung auch längerfristig oder dauerhaft zu verlassen
  • eine bestimmte Entfernung zu Opfer und/oder Kind/ern einzuhalten oder
  • jeglichen Kontakt zu meiden

Der Verstoß gegen gerichtliche Schutzanordnungen ist eine Straftat gemäß § 4 Gewaltschutzgesetz und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Missachtet der Täter die Schutzanordnungen, sollte sofort die Polizei informiert werden. Die Polizei ist vom Gericht über die Schutzanordnung informiert und kann weitere notwendige Maßnahmen zum Schutz des Opfers treffen.

Möglichkeiten, das Umgangsrecht für die Kinder zu regeln

Besteht ein Umgangsrecht des Täters für gemeinsame Kinder, kann die Schutzanordnung eingeschränkt werden. Droht weitere Gewalt und damit eine Gefährdung des Kindeswohls, kann mit Hilfe des Jugendamtes oder einer Anwältin/ eines Anwalts veranlasst werden, das Umgangsrecht einzuschränken oder auszusetzen. Mögliche Regelungen sind

  • die Übergabe in einem geschützten Raum
  • der begleitete oder betreute Umgang oder
  • das Aussetzen des Umgangs
Kinder als Opfer häuslicher Gewalt

Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung

Väter und Mütter wollen ihren Kindern gute Eltern sein, ihnen Zuwendung geben, sie fördern und beschützen. Sicher gibt es Auseinandersetzungen zwischen Eltern, doch die Kinder sollten erleben, dass Eltern sich streiten und wieder vertragen.

In manchen Familien mündet ein Streit in Gewalt. Das kommt in allen sozialen Schichten vor, unabhängig vom Einkommen der Eltern, ihrem Beruf oder ihrer Religion. In den allermeisten Fällen sind es die Frauen, die von ihrem Mann geschlagen werden, immer aber leiden auch die Kinder.

Die meisten Kinder, die häusliche Gewalt miterleben, schämen sich für das Verhalten ihrer Eltern. Das macht es ihnen schwer, sich jemandem anzuvertrauen. Außerdem lastet auf ihnen oft ein enormer Druck, denn sie müssen Aufgaben übernehmen, denen die Mutter nicht mehr gewachsen ist. Damit sind Kinder überfordert.

Wenn sie sich in den Streit einmischen, können sie sich selbst in Gefahr bringen.
Kinder fühlen sich schuldig für das, was zu Hause passiert. Ihnen muss deutlich gemacht werden, dass sie für das Verhalten ihrer Eltern nicht verantwortlich sind. Sie orientieren sich an dem, was ihre Eltern ihnen vorleben. Wenn sie im Elternhaus Gewalt erleben, wird Gewaltausübung zur Normalität. Sie lernen, dass die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen „normal“ ist. Sie lernen nicht, dass es in Konfliktsituationen auch positive Verhaltensalternativen gibt. Im Erwachsenenalter wiederholt sich für diese Kinder oft das Erlebte, nämlich die Ausübung bzw. die Erduldung von Gewalt. Kinder brauchen daher qualifizierte Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Gewalterfahrungen. Dies erfolgt zum Beispiel durch Fachberatung in Jugendämtern, durch Erzieherinnen in Frauenhäusern oder spezielle Angebote von Traumazentren für Kinder und Jugendliche. 
 

Hilfe und Unterstützung für Kinder & Jugendliche

Kinder und Jugendliche können sich bei Problemen zu Hause, in der Schule, mit Freunden oder wenn sie sich bedroht fühlen, Hilfe und Unterstützung holen

  • beim Kinder- und Jugendtelefon 0800- 111 0333 der „Nummer gegen Kummer“, anonym und kostenlos erreichbar von montags – samstags 14-20 Uhr
  • bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 – 1110111 oder unter 0800 - 1 11 0222
  • online- Beratung für Jugendliche unter http://www.youth-life-line.de/home.html  oder
  • beim Jugendamt
Täterarbeit – Maßnahme zum Opferschutz

Damit es nicht zu weiteren Gewalttaten in der Familie kommt, sind Verhaltensänderungen beim Täter notwendig. Diese Verhaltensänderungen sollen mit Hilfe von sozialen Trainingsprogrammen (Täterprogramme), deren Teilnahme die Justiz dem Täter verpflichtend auferlegen kann, erzielt werden.
Täterprogramme werden häufig von Beratungsstellen der Diakonie, der Caritas, der Arbeiterwohlfahrt oder dem Sozialdienst Katholischer Männer angeboten.

Hilfe und Unterstützung für Männer als Täter oder Opfer
  • Männerberatungsstellen
  • Außenstellen des Weißer Ring e.V. (www.weisser-ring.de oder über das Opfertelefon des Weißer Ring e.V. unter 116006)
  • speziell geschulte Beamtinnen/Beamte für den polizeilichen Opferschutz Ihrer Polizei vor Ort
  • Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter 0800 – 1110111 oder unter 0800 - 1 11 0222

Was ist Häusliche Gewalt?