Polizeinotruf in dringenden Fällen: 110

Menü

Inhalt

Jugendliche Kriminelle sollen die „Kurve kriegen“

IM NRW
Jugendliche Kriminelle sollen die „Kurve kriegen“
Polizei und pädagogische Fachkräfte arbeiten zusammen
„Kurve kriegen“ ist eine kriminalpräventive Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die kriminalitätsgefährdeten Kindern und Jugendlichen hilft, Wege aus der Kriminalität zu finden.
IM NRW

Sie sind noch jung und doch schon auf dem Weg zu einer kriminellen Karriere: Jugendliche Mehrfachtatverdächtige. Bevor die Spirale sich endgültig abwärts dreht, beugt die nordrhein-westfälische Polizei mit einem neuen Programm vor: „Kurve kriegen“ zeigt den Weg aus der Kriminalität. Dabei geht die Polizei neue Wege, um Betroffene und Fachleute einzubinden.

„Kurve kriegen“ wurde im Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen auf Grundlage der Erkenntnisse der Enquetekommission Prävention zur Erarbeitung von Empfehlungen für eine effektive Präventionspolitik entwickelt. „Kurve kriegen“ wirkt und reduziert Kriminalität. Das ist wissenschaftlich bestätigt worden.

 

Gefährdeten Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive geben. Das ist unser Konzept.

 

Die Ausgangssituation

Aus einigen Kindern und Jugendlichen, die der Polizei schon früh durch Straftaten auffallen, werden Intensivtäter, die ein hohes Gewaltpotential haben und sehr viele rechtswidrige Taten begehen.

Das Ziel von „Kurve kriegen“

Kinder und Jugendliche werden vor einem dauerhaften Abgleiten in die Kriminalität bewahrt – die Zahl der von Kindern und Jugendlichen begangenen rechtswidrigen Taten sinkt. Das bedeutet auch: Es gibt weniger Opfer.

Der Leitgedanke

Die Polizei hat den Auftrag, Straftaten zu verhüten und somit die Pflicht, kriminalpräventiv zu handeln. Man kann die Zahl der jugendlichen Mehrfachtäter und somit die hohe Anzahl von rechtswidrigen Taten sowie insbesondere Opferzahlen senken, wenn man sich frühzeitig und zielgerichtet um die jungen Täter kümmert.

Die Zielgruppe

Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15 Jahren, die mindestens ein Gewaltdelikt oder drei Eigentumsdelikte begangen haben und deren Lebensumstände von so vielen Problemen belastet sind, dass ein dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität droht.

 

„Kurve kriegen“ basiert auf fünf Maßnahmen

 

Frühzeitiges Erkennen besonderer Kriminalitätsgefährdung

Durch ein neues und standardisiertes Risikoscreening von Polizei und pädagogischen Fachkräften werden die besonders kriminalitätsgefährdeten Kinder und jungen Jugendlichen sondiert. Der frühe und individuelle Ansatz verhindert Kriminalität und zahlreiche weitere Opfer und ist aus pädagogischer Sicht besonders sinnvoll, um die notwendigen Verhaltensänderungen herbeizuführen. 

Kompetente multiprofessionelle Fachkräfteteams

Pädagogische Fachkräfte von Freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sind mittels Dienstverträgen in die Arbeit der Polizei eingebunden. Sie sind hochqualifiziert und erfahren im Umgang mit der Zielgruppe. Sie haben ihren Arbeitsplatz in den Polizeibehörden. Dort steht ihnen ein kompetenter und erfahrener Kriminalbeamter als Teampartner zur Seite. Ein Konzept, dass sich bewährt hat. Kurze Wege und ein schneller Austausch sind so jederzeit gewährleistet. Die pädagogische Fachkraft ist tagesaktuell über die Teilnehmer informiert und kann flexibel auf Veränderungen, z. B. neue Taten, reagieren.

Gemeinsame und verbindende Netzwerkarbeit

Die pädagogischen Fachkräfte fungieren als Bindeglied zum Jugendamt und weiteren Kooperationspartnern wie z. B. Schulen. Sie koordinieren die Netzwerkarbeit und erstellen unter Berücksichtigung aller Aspekte, z. B. Planungen und Anregungen des Jugendamtes, ein passgenaues kriminalpräventiv wirkendes Angebot für die Kinder, Jugendlichen und deren Familien.

Ein Baukasten für individuelle Maßnahmen

Die pädagogischen Fachkräfte schöpfen aus einem reichhaltigen Angebot lokaler Anbieter. Damit verfügen sie über einen umfangreichen Baukasten an Maßnahmen, der aus Elementen wie Kompetenztrainings (z.B. Coolnesstrainings oder Elterncoachings), integrativen Angeboten (z. B. Lernhilfe, Sprach- und Sportkurse), freizeitpädagogische Angeboten und weiteren wie z. B.  Sucht- oder Schuldenberatung besteht. Wichtig dabei: Auf die Passung kommt es an! In manchen Fällen helfen bereits einzelne Maßnahmen, in anderen orchestriert die pädagogische Fachkraft ein ganzes Bündel solcher Hilfen.

Finanzielle Beteiligung des Landes

Die Prävention von Jugendkriminalität steht in einem besonderem Landesinteresse, daher werden die Kosten für die pädagogischen Fachkräfte vollständig sowie die Maßnahmen bis auf wenige Ausnahmen vollständig durch das Land NRW getragen.

 

„Kurve kriegen“ vor Ort

Die NRW-Initiative „Kurve kriegen“ zur Verhinderung von Jugendkriminalität ist bereits in 19 Kreispolizeibehörden ein fester Bestandteil der kriminalpräventiven Arbeit. In dieser bundesweit einmaligen Initiative arbeitet die Polizei eng mit freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sowie den über 80 Kommunen zusammen.