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Neuer Inspekteur der Polizei

Michael Schemke
Neuer Inspekteur der Polizei
Michael Schemke hat sein neues Amt als Inspekteur der Polizei angetreten. Er steht seitdem an der Spitze der rund 30.000 uniformierten Polizistinnen und Polizisten im Land.
Streife-Redaktion

Michael Schemke hat sein neues Amt als Inspekteur der Polizei angetreten. Er steht seitdem an der Spitze der rund 30.000 uniformierten Polizistinnen und Polizisten im Land. Nach außen ist er für die Polizei NRW in verschiedenen nationalen Gremien tätig. Der 58-jährige Schemke ist ein Teamplayer.

Die »Streife-Redaktion« hat mit ihm über seine Prioritäten im neuen Amt gesprochen.

 

Streife: Herr Schemke, wie geht es der Polizei in NRW derzeit?

Schemke: Ich empfinde die Atmosphäre bei der Polizei NRW derzeit als extrem kollegial. Das kommt mir entgegen: Ich bin mit Leib und Seele Polizist und dabei frei von jeglichem Spartendenken.

 

Streife: Bei aller Kollegialität ist die Polizei aber hierarchisch gegliedert. Daraus müssen doch zwangsläufig Konflikte entstehen – wie gehen Sie damit um?

Schemke: Konflikte sind etwas Normales und sollten mit offenem Visier angegangen werden. Sie bringen eine Organisation nach vorne.

 

Streife: In unserer Aufregergesellschaft wollen viele Menschen ja nur ihre eigene Meinung durchdrücken...

Schemke: Das ist nicht zielführend. Es ist wichtig, dass man für die Argumente des Gegenübers offen bleibt und dass die gegenseitige Wertschätzung nicht unter einem Konflikt leidet. Man ist nicht immer der Klügste im Raum. Andere haben einen unverstellten Blick oder argumentieren aus einer anderen Position heraus. Diese Position aufzunehmen und zu akzeptieren, ist eine Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu sein.

 

Streife: Nun sind Sie ja kein Neuling in der Polizeiabteilung des Ministeriums – sie waren hier bereits Referatsleiter für den Einsatz im täglichen Dienst. Mit was haben Sie sich da konkret befasst?

Schemke: Das Themengebiet ist natürlich sehr breit, aber einen Schwerpunkt haben wir insbesondere im Bereich der Ausrüstung gelegt. Wir haben hier in NRW den modernsten Schutzhelm, den die Polizei in Deutschland überhaupt trägt. Und wir haben die Außentragehülle eingeführt. Außerdem hat die Polizei NRW zwei neue Dienstfahrzeugtypen angeschafft, um die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten zu erleichtern. Bei den Beschaffungen haben wir aus einsatzfachlicher Sicht mitgewirkt.

 

Streife: Bei vielen Neuerungen in der Vergangenheit – man erinnere sich an die Anschaffung des 3er-BMWs als Dienstwagen – da waren die Polizeibediensteten ja eher skeptisch als begeistert...

Schemke: Das hat sich doch deutlich geändert. Es gibt jetzt eine sehr hohe Akzeptanz, weil wir bei allen Innovationen die Basis mit ihrem gesamten Wissen eingebunden haben.

 

Streife: Die Modernisierung der Ausrüstung muss ja weitergehen, vor allem, weil das Thema Digitalisierung unsere Gesellschaft ganz massiv verändert.

Schemke: Inzwischen haben wir uns beim Thema Digitalisierung gut aufgestellt. Lassen Sie mich drei Beispiele nennen: Ein Projekt in Mönchengladbach beschäftigt sich damit, Einsatzfahrzeuge per GPS zu orten. Diese Ortung dient in erster Linie der Sicherheit. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege draußen in Not gerät, ist es wichtig, seinen Standort zu wissen, auch wenn er sich nicht mehr melden kann. Parallel lief gerade in Dortmund das Projekt »Sentinel« zur Nutzung von Open-Source-Intelligence für die Polizeiarbeit. Wenn die Kollegen und Kolleginnen zu einem Einsatzort fahren, ist es gut zu wissen, was sie möglicherweise erwartet. Der Kampfhund hinter der Tür, auf den man vorbereitet ist, ist nur noch halb so gefährlich. Ein drittes Beispiel für die Bedeutung der Digitalisierung ist die Unfallaufnahme: Ein modernes Auto ist ein komplexes digitales Gebilde, das viele Spuren beinhaltet. Der unfallaufnehmende Beamte ist heute ein hoch spezialisierter Mensch, der Forensik im Detail können muss.

 

Streife: Neben den Fragen der Technik und Ausrüstung muss die Polizei immer auch auf aktuelle Themen der Inneren Sicherheit reagieren. Zuletzt lag Ihr Arbeitsschwerpunkt ja auf der Ausarbeitung und Umsetzung einer Strategie zur Bekämpfung der Clankriminalität. Bleibt es bei der »Null-Toleranz-Linie« und der »Strategie der tausend Nadelstiche« gegen die Mitglieder krimineller Clans in Nordrhein-Westfalen?

Schemke: Auf jeden Fall, denn diese Strategie hat sich als erfolgreich erwiesen. Strategisch heißt das für uns: Wir müssen mit unseren Mitstreitern für Sicherheit in einem Boot rudern. Da spielen die Kommunen eine ganz wichtige Rolle. Außerdem der Zoll, die Steuerdienststellen und auch die Bundespolizei. Wir können nur schlagkräftig sein, wenn wir uns gut vernetzen. Das gilt übrigens im gesamten Sicherheitsbereich: Ermittele diejenigen, die dir helfen können, und arbeite mit ihnen zusammen.

 

Streife: Rechtsextremismus führt immer häufiger zu Gewalttaten. Das ist ja auch eine große Herausforderung für die Polizei, nicht nur in Nordrhein-Westfalen...

Schemke: Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der Anschlag auf die Synagoge in Halle und zuletzt das Attentat von Hanau haben das Gefährdungspotential durch den Rechtsterrorismus verdeutlicht. Vor allem Radikalisierungstendenzen im Internet spielen hier eine große Rolle. Als Polizei müssen wir uns daher einerseits ermittlungstechnisch auf solche Entwicklungen einstellen und wir müssen dafür Sorge tragen, dass diejenigen, die Schutz brauchen, diesen auch wirklich erhalten. Die aktuellen Fälle über die zunehmende Gefährdung von Amtsträgern, darunter auch immer öfter Kommunalpolitiker, weisen aber auch insgesamt auf gefährliche Entwicklungen in der Gesellschaft hin. Hier sind wir auch alle als Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, für eine zivilisierte und demokratische Gesellschaft einzutreten.

 

Streife: Wie wollen Sie das mit den aktuell verfügbaren Polizistinnen und Polizisten in NRW stemmen?

Schemke: Mit der jährlichen Einstellungsrate von 2.500 Beamtinnen und Beamten im Land haben wir hohe Maßstäbe gesetzt. Außerdem müssen wir es schaffen, Polizeibeamte aus Verwaltungsaufgaben herauszulösen und in operative Aufgaben hineinzubekommen. Deswegen freue ich mich darüber, dass wir jährlich 500 Polizeibeschäftigte einstellen können, die sich um Verwaltungsaufgaben kümmern. Denn gut ausgebildete Polizeibeamte wollen in allererster Linie Polizeiarbeit machen. Wir müssen auch die vorhandenen Personalressourcen gut einsetzen, damit wir nicht Gefahr laufen, wichtige Handlungsfelder nicht zu bedienen. Ich möchte ganz besonders der Bereitschaftspolizei meinen Dank sagen, die teilweise bis an ihr Äußerstes geht, um den Einsätzen noch gewachsen zu sein.

 

Streife: Können Sie kurz und knapp zusammenfassen, was Ihnen bei Ihrer Arbeit als Inspekteur der Polizei am wichtigsten ist?

Schemke: Wir müssen uns an veränderte Umweltbedingungen anpassen, etwa bei der Digitalisierung, da müssen wir »vor die Lage kommen«. Wir müssen erkennen, welche Aufgaben auf uns zu kommen und immer wieder priorisieren. Und wir müssen spartenübergreifend kollegial zusammenarbeiten, zum Beispiel mit den Kolleginnen und Kollegen der Kriminalpolizei. Wer nicht erkennt, dass wir unsere Stärke in der Teamleistung finden und wer die Intelligenz und Erfahrung der anderen nicht nutzt, der ist auf verlorenem Posten. Das macht die Polizei doch gerade aus: Dialog, Transparenz, Beteiligung auf allen Ebenen.

 

Michael Schemke:

Privat:

  • er stammt aus Krefeld, wo er noch heute wohnt, ist verheiratet und hat zwei Söhne, reist gerne, etwa im südlichen Afrika oder in Skandinavien,
  • er fährt gern Motorrad und ist ein leidenschaftlicher Fotograf.

 

Beruflich:

  • seit dem Jahr 1977 Polizeibeamter, zunächst Streifenbeamter in Krefeld,
  • Wachdienstführer und Dienstgruppenleiter in Krefeld,
  • Leiter der Führungsstelle in der Polizeiinspektion Mitte in Düsseldorf, danach »zweiter Mann« bei den Spezialeinheiten in Köln,
  • Dezernent der Beratergruppe für schwerste Gewaltkriminalität des LZPD NRW,
  • Leiter der Spezialeinheiten und des Ständigen Stabes in Essen,
  • Leiter der Direktion Gefahrenabwehr/ Einsatz in Krefeld,
  • Referent, später Leiter des Referats 412 (Einsatz im täglichen Dienst) im Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen.