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Gewalt an Frauen - Die meisten Täter kennen ihr Opfer

Präventionsseminar "Gewalt an Frauen"
Gewalt an Frauen - Die meisten Täter kennen ihr Opfer
Wie können sich Frauen vor Gewalt schützen? Woher kommt die Gefahr und was bringt etwa die Abwehr von Angriffen durch Pfefferspray? Marion Heyers gibt praktische Präventionstipps.
IM NRW

Seit 24 Jahren ist Kriminaloberkommissarin Marion Heyers vom Polizeipräsidium Düsseldorf bei der Kriminalpolizei, war mehrere Jahre bei der Rauschgiftfahndung und gibt jetzt Präventionsseminare zu den Themen Gewalt und Missbrauch – die Nachfrage ist groß.

Übergriffe im eigenen Umfeld machen den größten Teil aller Fälle von Gewalt an Frauen aus. „In meinen Seminaren sitzen zum Teil Frauen, die sind so voller Angst, dass sie sich kaum allein auf die Straße trauen“, berichtet Heyers, „deshalb ist es mir ganz wichtig, diese Ängste zu nehmen, deutlich zu machen, dass solche Übergriffe durch Fremde auf der Straße nicht an der Tagesordnung sind. Die Mehrheit der Täter kennt ihre Opfer. Es sind zum Beispiel Kollegen, Trainer oder Nachbarn.“

 

Keine Messer! Kein Pfefferspray!

Marion Heyers geht mit ihren Seminaren an Schulen und in Unternehmen. Die Teilnehmerinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Da die Seminare alle sehr interaktiv gestaltet sind, nimmt die Polizistin auch sehr viel von den Erlebnissen, Gefühlswelten und Ängsten der Frauen für ihre Arbeit mit. Darüber hinaus vermittelt sie viel Wissen und gibt auch ganz praktische Tipps, wie etwa Selbstverteidigungstechniken zu verinnerlichen, um sie quasi automatisiert anzuwenden. Von der Verwendung von Waffen wie Pfefferspray oder Messern rät Marion Heyers ab. Die Gefahr sei viel zu groß, sich damit selbst zu verletzen. Es würde völlig ausreichen, sich zum Beispiel mit Haarspray zu wehren. Es macht den Täter für einige Sekunden handlungsunfähig und die betroffene Frau kann flüchten.

 

Wissen vermitteln – Beweismittel sichern

Zudem informiert Marions Heyers über die wichtigsten Anlaufstellen für betroffene Frauen. „Einige wissen zum Beispiel nicht, dass es eine ‚Anonyme Spurensicherung‘ gibt“, sagt sie. Wenn Frauen sich nicht trauen, zum Beispiel eine Vergewaltigung anzuzeigen, können sie nach der Tat zu den Ärzten der ‚Anonymen Spurensicherung‘ gehen und sich untersuchen lassen. Die Daten bleiben alle anonym. Wenn sich aber die Frau später doch noch entscheidet, den Fall anzuzeigen, sind das wichtige Beweismittel.

 

Vertrauen in die Polizei stärken

Dass Frauen, denen Gewalt angetan wurde, sich nicht trauen, zur Polizei zu gehen, ist gar nicht so selten. „Viele schämen sich oder haben das Gefühl, ihnen würde sowieso niemand helfen“, sagt Heyers. „Hier ist es mir ganz wichtig, das Vertrauen in die Polizei zu stärken, zu zeigen, es kümmert sich jemand. Wir haben ganz ausgezeichnete Teams von qualifizierten Kolleginnen und Kollegen, die sich auf sehr sensible Art mit den Erlebnissen der Frauen beschäftigen.“
Dass Marion Heyers es schafft, das Vertrauen in die Polizei zu stärken, bekommt sie immer wieder zurückgespiegelt. „Eine junge Frau hat sich mehrere Tage nach dem Seminar bei mir gemeldet und berichtet, dass sie massiv von ihrem Chef misshandelt worden ist. Sie hat als Auszubildende in einem Handwerksbetrieb gearbeitet. Durch das Seminar hat sie den Mut gefasst und ist zur Polizei gegangen. Da habe ich gemerkt, das ist gut, was ich mache.“

 

Informationen für Betroffene

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Respekt statt Gewalt

0:45 minPP Aachen