Polizeinotruf in dringenden Fällen: 110

Menü

Inhalt

Der Traum vom Fliegen: Team Hummel braucht Verstärkung!

Polizeifliegerstaffel v.l.n.r.: POK Alexander Schaaf, POKin Kathrin Buschkühl und POK Patrick Sievers
Der Traum vom Fliegen: Team Hummel braucht Verstärkung!
Bei der Polizeifliegerstaffel der Polizei NRW zu arbeiten – das ist für viele ein Traum. Für Polizeioberkommissar (POK) Patrick Sievers, POK Alexander Schaaf und POKin Kathrin Buschkühl ist dieser Traum wahr geworden.
Streife-Redaktion

Die beiden Piloten, Alexander Schaaf und Patrick Sievers, sind schon seit vier Jahren bei der Fliegerstaffel. Kathrin Buschkühl ist seit April 2019 als Operatorin neu im Team. Geflogen wird immer zu dritt: Während Pilot und Co-Pilot vorne im Cockpit Platz nehmen, bedient ein Operator im hinteren Teil des Hubschraubers die Technik. Unterhält man sich mit den Dreien, fällt vor allem eines schnell auf: Die große Begeisterung für ihren Job. Alle drei haben die Polizeiausbildung absolviert, danach in verschiedenen Bereichen der Polizei ihre Erfahrungen gesammelt, bis sie irgendwann die Chance genutzt haben, zur Fliegerstaffel nach Düsseldorf zu wechseln. »Die Fliegerei ist immer schon ein Kindheitstraum von mir gewesen. Ein Verwandter von mir war als Rettungsassistent auf einem Rettungshubschrauber tätig. Während des Wehrdienstes war ich dann bei den Heeresfliegern in der Hubschrauberwartung eingesetzt. Das Thema begleitet mich also schon lange«, erklärt Patrick Sievers.

 

Kommunikation ist alles

Zum Einsatz kommt der Hubschrauber immer dann, wenn die Kolleginnen und Kollegen am Boden Unterstützung aus der Luft benötigen, zum Beispiel bei der Suche nach Vermissten oder flüchtigen Tatverdächtigen, bei Unfällen oder bei Demonstrationen. Teamarbeit ist dabei absolut unerlässlich: Denn Pilot, Co-Pilot und Operator müssen sich blind aufeinander verlassen können. Der Pilot hat dabei in erster Linie die Aufgabe, den Hubschrauber sicher zu fliegen. Dabei wird er vom Co-Piloten unterstützt: Er überwacht bestimmte Parameter, übernimmt Systemeingaben für den Piloten und achtet mit auf Gefahren wie etwa Hochspannungsleitungen oder andere Luftfahrzeuge. Während des Einsatzes kommuniziert er außerdem über Funk mit den Bodenkräften. Pilot- und Co-Pilot wechseln sich meist nach jedem Einsatz in ihrer Funktion ab. Die Aufgaben des Operators sind u. a.: Foto- und Videoaufnahmen zu erstellen oder mithilfe der Wärmebildkamera nach vermissten Personen zu suchen. »Wir müssen uns gut absprechen, um verwertbare Aufnahmen machen zu können. Kann der Hubschrauber vielleicht noch näher an ein Objekt heran? Kann der Pilot ihn vielleicht um 90 Grad drehen? Kommunikation ist hier wirklich alles«, betont POKin Kathrin Buschkühl. Sie ist derzeit die einzige Frau, die im operativen Dienst bei der Fliegerstaffel im Einsatz ist. Nachdem sie an einem Infotag vor Ort teilgenommen hatte, wusste sie sofort: »Wenn ich hier arbeiten könnte, wäre ich wirklich angekommen!« Sie erinnert sich noch genau an ihren ersten Einsatz im April 2019: Der Hubschrauber wurde damals von der Wasserschutzpolizei nach Duisburg zu einer Gewässerverunreinigung gerufen. Die Aufgabe: den Verursacher ausfindig zu machen und Beweise zu sichern. Da POKin Kathrin Buschkühl gerade erst ihre fünfmonatige Ausbildung zur Operatorin begonnen hatte, flog sie an der Seite eines erfahrenen Operators. »Er hat die hintere Tür des Hubschraubers geöffnet und sich mit dem Sicherungsgeschirr auf die Kufe gestellt, um bessere Aufnahmen machen zu können. Das professionelle, überlegte und sicherheitsorientierte Handeln hat mich unglaublich beeindruckt«, so Buschkühl. Luftige Höhen ist POKin Buschkühl aber nicht nur als Operatorin gewöhnt: Seit drei Jahren hat sie selbst eine Privatpilotenlizenz und fliegt in ihrer Freizeit eine Cessna 172.

 

Rettung in letzter Sekunde

Eine besondere Herausforderung für das Team sind vor allem solche Einsätze, bei denen es um Menschenleben geht. Eine schwierige Aufgabe ist etwa die Suche nach ertrinkenden Personen im Rhein. Denn hier geht es um jede Minute. Die Besatzung weiß: Vielleicht kann man noch jemanden retten. »Wenn man dann über Funk hört, dass die Person gerade noch gesehen wurde, kann sich sogar der Hubschrauber in so einem Moment ganz schön langsam anfühlen«, erzählt Patrick Sievers. Auch Alexander Schaaf und Kathrin Buschkühl erinnern sich an einen gemeinsamen Einsatz im November 2019, bei dem sie als Pilot und Operatorin unterwegs waren: Im Raum Münster wird ein älterer Mann vermisst. Die Bodenkräfte fordern den Hubschrauber zur Unterstützung an. Das Problem: Da das Team vorher bereits in einem anderen Einsatz war, ist der Treibstofftank nicht mehr voll. Um die Suche nach dem Vermissten dennoch sicher und erfolgreich durchführen zu können, wird der Tankinhalt genau kalkuliert. Die Besatzung sucht ein großes Gebiet aus der Luft ab – dennoch bleibt der Mann verschwunden. Im Minutentakt muss das Team gemeinsam beurteilen, ob es weitersuchen kann oder die Suche erfolglos abbrechen muss. »Allen war klar, dass der Mann die Nacht bei den niedrigen Außentemperaturen wohl nicht überleben würde, wenn wir ihn nicht finden«, so POKin Kathrin Buschkühl. Kurz bevor sie die Suche aufgeben müssen, entdeckt die Operatorin doch noch etwas: Über die Wärmebildkamera sieht sie in einem abgelegenen, unwegsamen Waldstück eine Person reglos auf dem Rücken liegen. Der Co-Pilot schafft es, die Bodenkräfte zur richtigen Stelle zu lotsen. Beim Abflug sieht das Team, wie der Mann von den Kollegen am Boden aufgerichtet und zum Rettungswagen gebracht werden kann. Dank der genauen Kalkulation erreicht der Hubschrauber sicher den zum Betanken ausgewählten Ausweichflughafen Münster-Osnabrück. POK Alexander Schaaf: »Das war schon ein tolles Gefühl. Bei solchen Einsätzen muss wirklich alles Hand in Hand gehen: Man muss zügig, aber trotzdem sicher arbeiten. Besonders in solchen Situationen merkt man aber dann, wie sehr alle für ein gemeinsames Ziel arbeiten.«

 

Neues Aufgabengebiet: Brandbekämpfung

In Zukunft werden die Hubschrauber der NRW-Polizei auch zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt. Dazu wird ein mobiler, faltbarer Wassertank (»Bambi Bucket«) unter dem Hubschrauber befestigt, der dann über dem Brandgebiet ausgeleert werden kann. Neben zwei Piloten und einem Operator wurde auch POKin Kathrin Buschkühl zu einer Multiplikatorin ausgebildet. Sie wird in den nächsten Wochen und Monaten ihre Kollegen im Umgang mit dem Bucket schulen. »Das ist ein spannender neuer Einsatzbereich, auf den ich mich sehr freue. Es ist schön, auch die Feuerwehr bei ihren Einsätzen unterstützen zu können«, so die Operatorin.

 

Lebenslanges Lernen

Wer als Pilot zur Fliegerstaffel möchte, braucht vor allem Ausdauer: Denn man durchläuft zunächst ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Die Ausbildung zum Berufspiloten findet dann in rund zwei Jahren an der Gemeinsamen Luftfahrerschule für den Polizeidienst in Sankt Augustin bei Bonn statt. Gestartet wird dort mit einem siebenwöchigen Englischlehrgang, gefolgt von theoretischen und praktischen Ausbildungsanteilen. »Das ist recht anstrengend. Aber parallel zur theoretischen Schulung ist man schon da, wo man hinmöchte: Man sitzt im Cockpit und steuert einen Hubschrauber – wenn auch erstmal als Flugschüler neben einem Fluglehrer«, erinnert sich POK Patrick Sievers. Nach Abschluss der fliegerischen Ausbildung sind die Piloten aber noch nicht für alle taktischen Flugverfahren freigegeben. So haben POK Patrick Sievers und POK Alexander Schaaf gerade erst im Dezember, nach einem Jahr Einsatzerfahrung, die Fortbildung für den Nachtflugdienst erfolgreich absolviert. »Im Grunde ist man hier permanent mit neuen Aufgaben konfrontiert – das Lernen hört nicht auf«, betont POK Alexander Schaaf.

 

Mit Herzblut dabei

Alle drei sind sich einig: Der Job bei der Fliegerstaffel ist ihr absoluter Traumberuf. Die Kombination aus Polizeiarbeit und Luftfahrt, die enge Zusammenarbeit im Team, die spannenden Einsätze in ganz NRW – und nicht zuletzt der atemberaubende Blick aus dem Hubschrauber-Cockpit sind Dinge, die sie nicht mehr missen möchten. Tipps für interessierte Kolleginnen und Kollegen geben sie gern: »Es kursieren immer wieder Gerüchte, man müsste ein Mathe- oder Physik-Genie sein. Das stimmt so nicht. Ein gewisses naturwissenschaftliches und technisches Grundverständnis sollte schon vorhanden sein. Viel wichtiger ist aber, dass man während der Ausbildung genug Durchhaltevermögen hat – dann steht dem Weg zur Fliegerstaffel eigentlich nichts mehr im Wege«, so POK Alexander Schaaf.

Der Hubschrauber Typ »AIRBUS H 145«
  • Anzahl der Sitze: 2+6 (Besatzung und Passagiere)
  • Reisegeschwindigkeit: 220 - 240 km/h
  • Maximale Flugzeit: rund 3 Stunden
  • Maximale Reichweite: rund 720 km
  • Verbrauch pro Stunde: rund 300 kg/240 l
  • Leergewicht: 2.200 kg
  • Höchstabfluggewicht: 3.700 kg
  • Triebwerke: 2 Turbomeca Arriel 2e
  • optionale Ausstattungsvarianten (nicht alle gleichzeitig nutzbar): Wärme- und HD-Videobildsystem, Suchscheinwerfer mit Infrarotfilter, Rettungswinde, Fast-Roping-System (für besonders schnelles Abseilen), Bambi Bucket (Löschwasseraußenbehälter)
Die Polizeifliegerstaffel NRW
  • zwei Standorte in Düsseldorf und Dortmund
  • 38 Einsatzpiloten, 10 Sachbearbeiter »Operative Technik«
  • rund 2.000 Einsätze und 3.000 Flugstunden im Jahr
  • 6 neue Hubschrauber des Typs »Airbus H 145«
  • zwei Flugzeuge Cessna 182

weitere Informationen

In dringenden Fällen: Polizeinotruf 110