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Auf Streife unter südlicher Sonne

Freut sich auf ihren Auslandseinsatz: Tais Zabrocki aus Krefeld
Auf Streife unter südlicher Sonne
Hektik im Innenministerium: In zehn Minuten soll die Videokonferenz beginnen, aber der Bildschirm bleibt schwarz. Carina Draese, zuständig für bilaterale Austauschaktionen der Polizei, wählt sich noch einmal ein. Und endlich: Die erste Teilnehmerin erscheint. „Hola, Catalina“, sagt Draese erleichtert. Catalina ist Hauptkommissarin im Polizeipräsidium Köln-Kalk. Auch sie grüßt auf Spanisch: „Hola.“
Streife-Redaktion

Nach und nach schalten sich weitere Polizisten zu: Hagen (25) aus Düsseldorf, Janine (28) aus Essen, Markus (28) aus Bielefeld – 23 Beamtinnen und Beamte aus ganz Nordrhein-Westfalen. Einige sitzen in voller Schutzmontur vor dem Monitor, weil sie anschließend in einen Einsatz müssen. Carina Draese grüßt: „Es bueno tenerte aqui.“ – „Schön, dass ihr da seid.“

Das Online-Meeting im Mai war das erste Vorbereitungstreffen für eine besondere Mission. Im Rahmen des Projekts „Europäische Kommissariate“ patrouillieren in diesem Sommer wieder deutsche Beamte zusammen mit Kollegen der „Guardia Civil“ und der „Policia Nacional“ an Stränden, in Hotels und über Partymeilen auf den Balearen und dem spanischen Festland. Möglich macht das der „Prümer Vertrag“, in dem elf EU-Mitgliedsstaaten eine engere Zusammenarbeit vereinbart haben. Heißt: Am Playa de Muro auf Mallorca oder an der Cala de Sant Vicent auf Ibiza gehen ab Juli Polizisten in dunkelblauer NRW-Uniform auf Streife. Ihr Auftrag lautet: zuhören, dolmetschen, vermitteln, helfen.

Im Konferenzraum in Düsseldorf macht es pling. General Carmelo Ruiz Ruiz erscheint im Bild, entschuldigt sich: „Lo siento, no hablo alemán.“ – „Leider spreche ich kein Deutsch.“ Das ist auch nicht nötig. Alle hier sprechen fließend Spanisch. Ruiz ist Attaché an der spanischen Botschaft in Berlin und organisiert den Austausch. Er sagt: „Jedes Jahr besuchen 60 Millionen Urlauber Spanien. Wir sind unglaublich dankbar, dass ihr uns unterstützt. Vor Ort ist alles vorbereitet.“

Das Projekt „Europäische Kommissariate“ wurde 2005 von Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich ins Leben gerufen. Es soll die operative grenzüberschreitende Zusammenarbeit vertiefen – vor allem in Tourismusregionen. Dort gehen deutsche und spanische Kollegen nicht nur zusammen auf Streife, sondern stehen auch nebeneinander auf Dienstplänen. Es gibt Früh-, Spät- und Nachtschichten – wie in Deutschland. Trotzdem ist alles anders.

Kriminalhauptkommissar Elmar Kurten (57) aus Olpe wird im August Kollegen in den südlichen Pyrenäen unterstützen. Er scherzt: „Berge kenne ich schon. Ich bringe Erfahrungen aus dem Sauerland mit.“

Kriminalhauptkommissarin Sabrina Semrau (29), LAFP, fliegt nach Teneriffa – im Dezember, über Silvester. „Auf den Kanaren leben viele deutsche Rentner, die kein Wort Spanisch sprechen. Sie sind unglaublich dankbar, wenn sie auf der Wache jemand versteht.“

General Carmelo Ruiz Ruiz nickt und muss schon wieder gehen. „Eventos, Eventos.“ – „Termine, Termine.“ „Adiós.“ Zurück bleiben 23 deutsche Kommissarinnen und Kommissare, in deren Gesichtern sich Vorfreude spiegelt. Carina Draese vom Innenministerium gibt noch Informationen, wie sie ihre Dienstwaffen, Schlagstöcke und Schutzwesten durch den Zoll bekommen, und klärt auf, wie sie sich im Hotel verhalten müssen: „Schlabberlook und Party verboten.“ Zwei Kollegen von der Hundertschaft entschuldigen sich, weil sie auf eine Demo müssen. Kollegin Sabrina a Semro tröstet sie: „Freut euch auf Spanien. Das ist das Schönste, wertvoller als eine Beförderung – obwohl es Dienst ist.“

Polizeikommissarin Taïs Zabrocki (28) aus Krefeld packt im Juli für 14 Tage ihre Koffer. Das Ziel: die alte Königsstadt León, 300 Kilometer östlich von Santiago de Compostela. Die Kathedrale Santa Maria de Regla ist eine wichtige Station auf dem Jakobsweg. „Dieses Jahr ist das Heilige Jakobsjahr. Zehntausende Menschen pilgern nach Compostela. Weil meine Eltern aus Spanien kommen, kenne ich viele Geschichten von Wundern und Heilungen.“

Polizeihauptkommissar Miguel Riquelme y Schönfeldt (43) von der Autobahnpolizeiwache Mülheim steigt am 1. September in den Flieger nach Palma de Mallorca. Ziel: Santa Margalida im Nordosten der Insel. „Ambiente, Flair, Kultur … ich mag das Land, weil ich dort immer meine Sommerferien verbracht habe. Jetzt bin ich auch als Polizist schon zum dritten Mal dabei. An einiges gewöhne ich mich jedoch wohl nie. Zum Beispiel, dass die Kollegen morgens einfach die Wache abschließen und ins Café gehen. Für die Mallorquiner ist das aber völlig okay. Sie plaudern von Gast zu Polizist. Vor allem sind wir aber natürlich Ansprechpartner für die Urlauber.”

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