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Einsatz beim Jugendradrennen „Trofeo“ in Bitche / Frankreich

Julian Schwan in Bitche, Frankreich
Einsatz beim Jugendradrennen „Trofeo“ in Bitche / Frankreich
Ein Erfahrungsbericht von Julian Schwan von der Polizei Duisburg.
Polizei Duisburg

Im Februar 2022 bin ich auf eine Ausschreibung des Ministeriums des Inneren NRW aufmerksam geworden und habe die Entscheidung getroffen, mich für die Teilnahme an den „Europäischen Kommissariaten“ in Frankreich  zu bewerben. Aufgrund meiner familiären Bindung zu Frankreich – meine Frau ist Halb-Französin – und der dadurch gegebenen sprachlichen Vorkenntnisse besteht eine Sympathie für Land und Leute. Da ich mich stets auch dienstlich weiter entwickeln möchte, hat es mich enorm gereizt, einmal eine andere Polizeiarbeit kennen zu lernen.

 

Viertägiges Jugendradrennens „Trofeo“ in Bitche

Nachdem erfolgreichem Abschluss des Bewerbungsverfahren entschied sich, dass ich im Rahmen des viertägigen Jugendradrennens „Trofeo“ vom 9. bis 12. Juni 2022 im Grenzgebiet des Saarlandes und der französischen Region Grand-Est die französischen Kollegen unterstützen sollte. Fortan konnte ich mich auf meinen ersten dienstlichen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Leider musste das eigentlich viertägige Tage Programm auf einen einzelnen Tag reduziert werden, was die Vorfreude jedoch nicht schmälern konnte. Dem folgend wurde meine Unterstützung für den 11. Juni 2022 bei der französischen Gendarmerie Nationale geplant. Die Dienstelle der dortigen Gendarmerie Nationale befindet sich in der Ortschaft Bitche mit circa 5000 Einwohnern, etwa 374 km von meiner dienstlichen Heimat Duisburg entfernt. Der Ort liegt in der Region Grand-Est im Departement Moselle.

Das Radrennen findet im Rahmen des Nations Cups Junior des Weltverbandes UCI statt, dauert vier Tage und umfasst eine Strecke von insgesamt etwa 428 km. Teilnehmer sind Jugendnationalkader vieler europäischer Länder wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien, aber auch außereuropäischer Länder, wie z.B. Kanada.

Da ich selbst sehr sportinteressiert bin, reizte mich diese Aufgabe sogar doppelt.

Die erste telefonische Kontaktaufnahme mit den französischen Verbindungsbeamten verlief bereits in einer lockeren Atmosphäre. Da der Ort Bitche circa 20km hinter der französischen Grenze liegt, haben dort viele Kollegen deutsche Sprachkenntnisse. Dies führte dazu, dass sich eine Mischung aus deutscher und französischer Kommunikation entwickelte. Problemlos verliefen auch die Organisation der An- und Abreise. Aufgrund der relativ langen Anfahrt von etwa 4 Stunden reiste ich am Vorabend des geplanten Einsatzes an. Die Kollegen der Gendarmerie hatten für mich bereits ein Hotelzimmer reserviert. Vor Eintreffen am Hotel hatte ich mich mit einer Kollegin der Gendarmerie verabredet, um meine Dienstwaffe im Dienstgebäude zu verschließen. Am nächsten Morgen erschien ich dann ausgeschlafen auf der Dienststelle.

 

Samstag, 11. Juni 2022

Der Einsatz im Rahmen des Radrennens war von 15 bis 19:30 Uhr geplant. Ich durfte jedoch bereits ab 9 Uhr auf der Dienststelle in den Wachalltag hineinschnuppern. Dort begrüßten mich zunächst sieben Kolleginnen und Kollegen, allesamt sehr freundlich und zuvorkommend. Nachdem ich meine deutsche Uniform inklusive Dienstwaffe angelegt hatte, ergaben sich schnell gemeinsame Gesprächsthemen. So wurden schnell erste Unterschiede in der Organisation und Struktur deutlich. Die Gendarmerie Nationale ist beim französischen Militär angegliedert und verfügt über die polizeiliche Hoheit in Städten und Kommunen bis zu 20.000 Einwohnern. Sie ist eher militärisch strukturiert. In größeren städtischen Gebieten ist die Police nationale zuständig. Darüber hinaus gibt es auch noch die Police Municipale, die aber eher mit dem deutschen Ordnungsamt vergleichbar und dem Bürgermeister unterstellt ist.

Die Aufgabenwahrnehmung der Gendarmerie unterscheidet sich von unserer, auch bedingt durch die Arbeit im ländlichen Bereich. So werden in Deliktsfeldern der einfachen Kriminalität Vorgänge von der ersten Anzeigenaufnahme, über die folgenden Ermittlungen bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft durch die Gendarmeriebeamtinnen und -beamten selbst bearbeitet.

Bei schwerwiegenderen Delikten erfolgt die Sachbearbeitung durch Kommissariate aus angrenzenden Regionen.

Das Dienstgebäude in Bitche war schon etwas älter und viele Einrichtungsgegenstände wirkten ein wenig provisorisch, erfüllten aber ihren Zweck.

 

Erste Streifenfahrt

Nach kurzem „Beschnuppern“ ging ich mit zwei Kollegen der Gendarmerie auf meine erste Streifenfahrt im Ausland. Während sie mir die Umgebung zeigten und wir 1-2 kleinere Einsätze wahrnahmen, ergaben sich immer wieder interessante Gespräche über Arbeitsabläufe, Ausstattung und vieles mehr. So legte sich auch schnell die vorhandene Nervosität und es entstand immer mehr eine wirklich sehr angenehme und lockere Atmosphäre. Die französischen Kollegen zeigten sich sehr interessiert, was ich als deutscher Polizeibeamter aus meinem dienstlichen und privaten Alltag zu berichten hatte.

 

Einsatz beim Radrennen

Gegen Mittag versammelten sich Einsatzkräfte zur Einsatzbesprechung für das bevorstehende Radrennen. Dabei traf ich auf zwei weitere saarländische Kolleginnen/Kollegen, die ebenfalls zur Unterstützung angereist waren. Zusätzlich wurden wir durch einige Reservisten der Gendarmerie Nationale unterstützt. Diese durchlaufen eine verkürzte Polizeiausbildung und gehen einer zivilen Tätigkeit nach. Sie werden, je nach Bedarf, meist in ihrer Freizeit zur Unterstützung angefordert. Wir wurden im Anschluss durch den Einsatzleiter, vergleichbar mit einem Dienstgruppenleiter, in mehrere Teams eingeteilt. Unsere Aufgabe bestand darin, an verschiedenen Örtlichkeiten Sperrpunkte einzunehmen, um den sicheren Ablauf des Rennens zu gewährleisten. Die deutschen Kollegen wurden an Punkten, an denen mit Zuschauern zu rechnen war, eingesetzt.

An den Sperrstellen kamen wir recht schnell mit einigen Zuschauern ins Gespräch. Diese waren durchweg freundliche Menschen, die keinen spürbaren Unterschied in der Wahrnehmung zwischen der französischen und der deutschen Uniform machten.

Mit diesem positiven Gefühl konnten wir uns dann kurz vor Eintreffen des Fahrerfeldes unserer Kernaufgabe widmen. Als auch der letzte Fahrer des Feldes passierte, mussten wir zügig zu unserem nächsten Streckenpunkt verlagern. Diesen sollte das Feld circa 20 Minuten später erreichen. Nach einer 15- minütigen Fahrt im Streifenwagen unter der Nutzung von Sonder- und Wegerechten erreichten wir diesen Punkt rechtzeitig. Dieser war Teil einer Schleife rund um den Ort Bitche und musste bis zur endgültigen Zieleinfahrt dreimal absolviert werden.

Erneut ergaben sich Kontakte mit den Zuschauern sowie rennbegleitenden französischen und deutschen Kollegen. Aber auch spannende Entwicklungen im Rennen konnten wir beobachten. Nach der dritten Durchfahrt des Fahrerfeldes konnte die Strecke wieder freigegeben werden. Kurz darauf endete das Rennen im Ortszentrum von Bitche.

 

Einsatzabschluss und Fazit

Nach dem Einsatz versammelten sich alle Kolleginnen und Kollegenwieder im Dienstgebäude. Bei einem kalten Getränk in freundschaftlicher Atmosphäre wurden Erfahrungen und Mitbringsel ausgetauscht.

Obwohl ich es mir im Vorfeld gewünscht hatte, überraschte mich, wie überaus freundlich die Kollegen vor Ort und wie locker die Stimmung tatsächlich war. Trotz des nur eintägigen Einsatzes in Frankreich konnte ich einen, wenn auch recht kleinen Einblick bekommen; für mich hat sich dieser Aufenthalt mehr als gelohnt.

Neben strukturbedingten Unterschieden konnten ich auch viele Gemeinsamkeiten in der Polizeiarbeit, wie zum Beispiel bei der Abarbeitung von Einsätzen, entdecken.

Dem Feedback der französischen Kollegen konnte ich entnehmen, dass dieser Tag für beide Seiten sehr erfolgreich war und neue Erfahrungen mit sich gebracht hat. Ich nehme persönlich viele positive Erfahrungen mit, die mir bei etwaigen zukünftigen Verwendungen hilfreich sein werden.

Ich strebe im nächsten Jahr in jedem Fall eine erneute Verwendung im Rahmen der „Europäischen Kommissariate“ mit Frankreich an.

Streifenfahrt
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Warnschild Radrennen
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