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Einsatz an der Piste

Besonderer Arbeitsplatz: die Polizeikommissare Niklas Beermann (links) und Moritz Bücker am Skihang in Winterberg
Einsatz an der Piste
Niklas Beermann hat eine Urkunde bekommen. Sie wird jedes Jahr zu Beginn des Winters verliehen. Wer die erste Anzeige wegen Skidiebstahls aufnimmt, erhält diese Auszeichnung. Den kleinen Jux gönnt sich die Polizei in Winterberg. In Nordrhein-Westfalens höchstgelegener Polizeidienststelle ist manches anders als in anderen Teilen des Landes. Skidiebstahl ist tatsächlich ein Problem. 400 bis 500 Paar kommen an den Pisten im Hochsauerland jedes Jahr abhanden. Keine Lappalie, so ein Paar kostet schließlich schon mal einen hohen dreistelligen Betrag. Und so schauen die Polizeikommissare Niklas Beermann und Moritz Bücker auf Streife immer mal wieder „Bei Möppi“ oder bei den anderen Après-Ski-Lokalen am Skiliftkarussell vorbei. Sie zeigen Präsenz.
Streife-Redaktion

In der Hochsaison herrscht hier Ballermann-Stimmung. Bis vor einigen Jahren gab es auch noch eine Pistenstreife der Polizei. Doch die Aufgaben auf den Hängen übernimmt jetzt vornehmlich die Bergwacht.

Schwer hängt der Nebel über dem Hang am Poppenberg. Nur auf den Pisten liegt etwas künstlich produzierter Schnee. Ringsum ist es grün und grau. Dennoch herrscht an diesem Sonntag kurz vor Weihnachten reger Skibetrieb. So wie an fast allen Wochenenden zwischen Anfang Dezember und Anfang April.

Lifte, Schneekanonen, Gaststätten – die Wintersport-Infrastruktur im Sauerland ist in den vergangenen Jahren immer umfangreicher geworden. Und damit haben auch die Verkehrsprobleme in der Region zugenommen. Aus den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr strömt das Publikum herbei. Und wenn die Niederländer im Februar ihre Krokusferien bekommen, ist besonders viel los.

Der Tourismus boomt. Nicht nur im Winter. „Viele Jugendgruppen mieten Häuser in den Ferienparks“, berichtet Beermann. „Und wenn dann der Alkohol fließt, gibt es schon einmal Ärger.“ Ruhestörung ist noch das kleinste Problem. Regelmäßig gibt es Zoff zwischen Deutschen und Niederländern. „Wer den anzettelt, will ich gar nicht beurteilen“, sagt Beermann.

Er stammt aus der Gegend und versieht hier seit vier Jahren Dienst. Kollege Bücker ist seit drei Jahren dabei, er ist gebürtiger Winterberger. Dass sie ortskundig sind, hilft bisweilen. Von Winterberg aus haben sie eine große Fläche zu betreuen. Bis zu 35 Minuten sind sie schon mal von einem Ende ihres Zuständigkeitsbereichs bis zum anderen unterwegs. Es kommt vor, dass sie nach Dienstende 300 Kilometer mehr auf dem Tacho haben.

Wenn es bei einem Einsatz mal brenzlig wird, gilt die Devise „Beruhigen und auf Zeit spielen“. Denn anders als in den Ballungsräumen dauert es eine ganze Weile, bis bei Bedarf Verstärkung da ist. „Wir lernen ja in der Ausbildung, dass unsere Stimme das wichtigste Einsatzmittel ist“, erzählt Bücker. „Das bewahrheitet sich hier.“

Als im vergangenen Winter der Lockdown verhängt wurde, gab es besonders viel zu tun. 30.000 bis 40.000 Menschen strömten täglich ins Hochsauerland, um sich im Schnee zu tummeln. Doch die Lifte liefen nicht, die Restaurants waren zu und an öffentlichen Toiletten mangelte es. „Das war abenteuerlich“, erinnert sich Abteilungsleiter Klaus Bunse. „Da waren Kinder in vollkommen ungeeigneter Kleidung mit ihren Familien im Schnee unterwegs.“ 14 Tage lang dauert die Ausnahmesituation. Mit einer Besonderen Aufbauorganisation begegnete die Polizei dem Ansturm. Sogar die Reiterstaffel war im Einsatz.

In diesem Winter gibt es auch im Sauerland immer wieder Demonstrationen von Corona-Leugnern und Impfskeptikern. Erst waren sie angemeldet, immer öfter finden sie als unangemeldete sogenannte Spaziergänge statt. Bunse: „Mittlerweile kommen da in einigen Kommunen im Hochsauerlandkreis über 300 Leute zusammen.“

Zuletzt machte die Drifter-Szene Ärger – als Pendant zu Rasern, Tunern und Posern im Ruhrgebiet oder auf der Rheinschiene. Anfang Dezember etwa kam es zum wiederholten Mal zu mehreren Polizeieinsätzen, weil Autos über Schnee und Eis rutschten, Kringel drehten und dabei Schaulustige in Scharen anzogen. An verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten wurden über 500 Fahrzeuge gezählt – unter anderem auf einem Parkplatz im Skigebiet.

Daneben fiel eine kleine Anzahl von Autos auf, die offensichtlich speziell für das Befahren von unwegsamem Gelände ausgestattet waren. „Das war um 3 oder 4 Uhr nachts. Die hatten sogar Arbeitsscheinwerfer an den Autos und einer hatte eine Seilwinde am Wagen, um andere wieder rauszuziehen, wenn die stecken blieben“, sagt Bunse. Die Polizei stellte 29 Verstöße fest: unter anderem wegen unnötigen Hin- und Herfahrens und des Verstoßes gegen Durchfahrtsverbote.

Schauplatz Bobbahn. Welt- und Europameisterschaften finden hier statt und regelmäßig Weltcups im Bobsport, Rodeln und Skeleton. Mehr als ein paar Hundert Besucherinnen und Besucher kommen allerdings selten, auch wenn hier Sport auf höchstem olympischen Niveau geboten wird. Doch mit diesen Veranstaltungen präsentiert sich Deutschland via Fernsehen der ganzen Welt. Allein schon deshalb sei es wichtig, dass die Polizei hier gute Arbeit abliefert, betont Beermann. Und gefährlich ist der Sport überdies.

Erst im Oktober verunglückten zwei 16-jährige Mädchen der deutschen Junioren-Nationalmannschaft bei hoher Geschwindigkeit. Die Rennrodlerinnen erlitten schwere, aber keine lebensgefährlichen Verletzungen und wurden mit Rettungshubschraubern in Fachkliniken geflogen.

Nebenan auf den Downhill-Strecken für Mountainbiker ist das ganze Jahr über Betrieb. „Hier kommt täglich der Krankenwagen“, weiß Beermann. Und nicht selten kommt auch hier der Hubschrauber. Im Hochsauerland geht’s hoch her.

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