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Das LKA NRW nimmt kriminelle Clanmitglieder ins Visier. Überraschend - jeder fünfte Tatverdächtige ist weiblich.

LKD Thomas Jungbluth
Das LKA NRW nimmt kriminelle Clanmitglieder ins Visier. Überraschend - jeder fünfte Tatverdächtige ist weiblich.
Thomas Jungbluth, Leitender Kriminaldirektor und zuständig für Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamtes NRW, sprach am 30. Januar 2019 auf dem bundesweit ersten Symposium zur Clankriminalität über Hintergründe krimineller Clanmitglieder in NRW. Unter den Teilnehmer Kriminologen, Polizisten, Theologen, Juristen, Islamwissenschaftler und kommunale Verantwortungsträger, die sich konkret mit den Themen Prävention, Netzwerkarbeit, Einsätze und Kriminalitätsbekämpfung befassen.
IM NRW

 

Auszüge aus dem Impulsvortrag von Thomas Jungbluth (Abteilungsleiter 1 LKA NRW)

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Wie viele Straftaten haben Clanangehörige in NRW verübt?

Zurzeit gehen wir von ca. 100 Familienclans aus, die in NRW vertreten sind. In den Jahren 2016 -2018 haben wir den Familienclans 14.225 Straftaten zugeordnet, pro Jahr ca. 4.600. Quelle ist das polizeiliche Vorgangsbearbeitungssystem "IGVP", nicht die Polizeiliche Kriminalstatistik.

Diese Straftaten können wir 6449 tatverdächtigen Personen zuordnen. Für uns überraschend ist jeder fünfte Tatverdächtige weiblich.

Ich darf an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich um das Hellfeld, also um Straftaten handelt, die der Polizei bekannt geworden sind. Das Dunkelfeld dürfte vor dem Hintergrund des Bedrohungspotentials, der Einschüchterung, der strikten Abschottung und einer gering ausgeprägten Anzeigebereitschaft erheblich sein.

 

Welche Kriminalitätsphänomene haben wir in Zusammenhang mit Clans festgestellt?

Das aggressive Verhalten von Clanangehörigen findet sich auch in den bei der Polizei bearbeiteten Delikten wieder. Circa ein Drittel,  genau 5.606 Taten, sind Delikte der Gewaltkriminalität, zum Beispiel Körperverletzung, gefolgt von Betrugs- und Eigentumsdelikten mit jeweils ca. 2.600 angezeigten Taten.

In den vergangenen drei Jahren hat die Polizei in NRW 26 Tötungsdelikte bzw. versuchte Tötungsdelikte bearbeitet.

Von den 6.449 Tatverdächtigen sind 381 mehr als viermal pro Jahr strafrechtlich in Erscheinung getreten. In der Gesamtschau sind diese Mehrfachtäter für circa ein Drittel der Straftaten verantwortlich. Diese Zahl verdeutlicht die hohe Intensität und Frequenz, mit der kriminelle Mitglieder von Clans vorgehen.

Circa 1.000 Delikte sind der Betäubungsmittel-Kriminalität zuzurechnen. Aus dem Informationsaustausch mit den Behörden wissen wir, dass sich einige Clans im Bereich des Straßenhandels mit Betäubungsmitteln bewegen, die Rauschgift über Dritte oder Mittelsmänner verteilen lassen, um so das persönliche Risiko einer Festnahme möglichst gering zu halten.

Der Verkauf von unversteuertem Wasserpfeifentabak in Shisha-Bars ist ein weiteres Geschäftsmodell, was den Clans Gewinne einbringt.

Nicht belegt sind Angaben über Erpressungen, auch in der eigenen Ethnie.

 

Welchen Bezug zu Organisierter Kriminalität haben die Clans?

Das Lagebild OK des Landes wird für das Jahr 2018 insgesamt 15 Ermittlungsverfahren gegen Clanangehörige im Deliktsbereich der OK ausweisen. Herausragend ist aktuell ein Verfahren der Polizei Hagen, der es gelungen ist, Angehörige eines Familienclans zu überführen, die in großem Stil Spielautomaten manipuliert und dabei nach dem vorläufigen Ergebnis der Ermittler nahezu  10,2 Millionen Euro Gewinne erwirtschaftet haben.