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Häusliche Gewalt - Das Opfer bleibt, der Täter geht

Häusliche Gewalt
Häusliche Gewalt - Das Opfer bleibt, der Täter geht
Eva ist seit Jahren glücklich verheiratet - denken zumindest alle. Denn Freunde, Kolleginnen und Kollegen sehen die blauen Flecken an Rücken und Oberarmen nicht. Sie stammen von Evas Mann. Er schlägt sie.
LKA NRW

Was ist „häusliche Gewalt“?

Häusliche Gewalt ist jede Form von Gewalt in Beziehungen, die überwiegend im privaten Bereich stattfindet. Häusliche Gewalt ist physische, psychische oder sexuelle Gewalt. Sie kann sich auf vielerlei Art und Weise ausdrücken:

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen oder Kinder ihre Eltern, dann ist das häusliche Gewalt. Beschimpfen, Beleidigen, Demütigen, Einschüchtern oder finanzielle Abhängigkeit ausnutzen kann ebenhalls häusliche Gewalt sein.

Wichtig: Nicht nur Gewalt in den eigenen vier Wänden zählt als häusliche Gewalt. Entscheidend ist, dass Opfer und Täter eine enge persönliche Beziehung haben oder hatten (zum Beispiel Lebensgefährten, Eheleute…).

Fast alle Formen häuslicher Gewalt stellen Handlungen dar, die gesetzlich mit Strafe bedroht sind. Sie reichen von Beleidigung, Bedrohung und Nötigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung bis hin zu Sexualdelikten oder gar zur versuchten oder vollendeten Tötung.

Die Strategien der Täter

Täter häuslicher Gewalt sind oft unauffällige, angepasste Menschen, denen Nachbarn, Bekannte, Freunde und Arbeitskollegen Gewalttätigkeiten nicht zutrauen würden. In der Regel haben sie sich und ihr Temperament im Griff – nur gegenüber der Partnerin/dem Partner oder den Kindern schlagen sie zu – und zwar bewusst. Täter versuchen, ihr Opfer daran zu hindern, anderen von den Gewalteinwirkungen zu berichten. Werden dennoch andere aufmerksam, so leugnen, verharmlosen oder verfälschen sie ihre Handlungen.

Wie oft kommt häusliche Gewalt vor?

Bei häuslicher Gewalt handelt es sich nicht um Einzelfälle. Eine repräsentative Studie („Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“, 2004), die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde, zeigt, dass ein Viertel aller Frauen mindestens ein mal in ihrem Leben Opfer häuslicher Gewalt werden. Kinder sind davon immer mit betroffen, auch wenn sie nicht selbst geschlagen werden. Sie müssen die Gewalt zwischen ihren Eltern miterleben.

Auch Männer können Opfer häuslicher Gewalt werden. Häufig erfahren sie häusliche Gewalt durch männliche Täter, wie beispielsweise Väter, Stiefväter, Söhne und Brüder, aber auch durch Partnerinnen. Häusliche Gewalt tritt auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen auf.

Das Besondere an häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt betrifft alle Bildungs- und Einkommensschichten gleichermaßen. Sie existiert in allen Altersgruppen, Nationalitäten, Religionen und Kulturen.

Häusliche Gewalt entsteht nicht – wie z. B. bei einer Kneipenschlägerei – scheinbar einfach so aus einer konkreten Situation heraus. Sie ist vielmehr Ausdruck eines andauernden Macht - und Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Täter und Opfer.

Beziehungen, in denen Gewalt ausgeübt wird, unterliegen häufig einer Eigendynamik, die einem bestimmten Muster folgt. Typisch ist dabei, dass sich die Gewalt wiederholt, wobei mit der Zeit die Abstände zwischen den einzelnen Gewalthandlungen und die Schwere der Taten zunimmt.

Das oft widersprüchliche Verhalten der Opfer

Für Außenstehende ist es oft schwierig, das Verhalten von Opfern häuslicher Gewalt nachzuvollziehen. Es wirkt mitunter inkonsequent und widersprüchlich. Opfer fürchten sich einerseits vor weiteren Misshandlungen und haben permanent Angst, andererseits hoffen sie, dass der Täter sein Verhalten ändert. Es gibt viele Gründe, dass Opfer lange in Misshandlungsbeziehungen ausharren:

  • vorgebliche „Reue“ des Täters lässt immer wieder auf eine Besserung hoffen
  • psychische Schwächung des Opfers durch die erfahrene Gewalt bewirkt Resignation
  • wirtschaftliche Abhängigkeit schränkt Handlungsoptionen ein
  • Schuldgefühle gegenüber Kindern, wenn ihnen der Vater „genommen“ wird
  • Angst vor Einsamkeit, fehlende Hilfe usw.

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